Dokumentation: So genannte Hausbesuche während der Aktionstage
Wir dokumentieren hier eine dem Internetportal "indymedia" entnommene Darstellung der so genannten Hausbesuche während der Aktionstage. Hintergrund ist, dass die Hausbesuche seitens der Lagerleitung in einen direkten Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Anschlag auf Lagerleiter Conrad Bramm gestellt werden. Wir möchten in diesem Zusammenhang auch auf unsere Pressererklärung verweisen.
"Ruth Gerdes und Jerzy Brylski sind nur zwei der vielen Angestellten im Abschiebelager Bramsche-Hesepe. Durch Menschen wie sie ist das Betreiben eines Abschiebelagers überhaupt erst möglich. Jeden Tag wirken sie aufs Neue mit an der Einschüchterung und Unterdrückung der Flüchtlinge im Lager und sind somit Teil der Abschiebemaschinerie. Obwohl mensch meinen sollte als Betreuerin und Hausmeister sei ihre Rolle von keiner großen Bedeutung, tragen beide massiv zu einem noch beschisseneren Alltag im Abschiebelager bei.
Homerun ? Gerdi erfüllt ihre Rolle als Handlangerin der staatlichen Abschiebemaschinerie mit Bravour. Jeden Tag übertrifft sie sich selbst in Übererfüllung ihrer "Pflicht". Als kostengünstige Alternative zur Abschiebung schlägt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit die sog. "freiwillige Ausreise" vor. Stimmt der Flüchtling zu, wird er mit einem geringen Handgeld in das Land zurückgeschickt, aus dem er zum Teil unter Lebensgefahr geflüchtet ist. Lässt der Flüchtling hier seine Freiwilligkeit vermissen, wird ihm mit Abschiebung gedroht und er wird von Bediensteten des Abschiebelagers hart unter Druck gesetzt.
Die von ihr betreuten Flüchtlinge kennen schon im Voraus die Antwort von Frau Gerdes auf jede ihrer Fragen:
"Sie wollen einen 1-Euro-Job? Unterschreiben Sie doch die "Freiwillige Ausreise-Erklärung". Gehen Sie doch nach Hause."
"Sie wollen bessere medizinische Versorgung? Gehen Sie doch zurück nach Hause. Wer nach Hause geht, wird auch gesund."
"Sie haben Probleme mit Ihrem 6-Personen-Zimmer? Gehen Sie doch zurück nach Hause."
Nur ist für die Flüchtlinge das "Nach-Hause-Gehen" eben keine Alternative. Nicht Neugierde sondern pure Notwendigkeit waren der Beweggrund die lebensgefährliche Flucht in ein ihnen unbekanntes Land anzutreten. Flucht vor Krieg, Hunger, Unterdrückung, Armut oder auch einfach der Wunsch nach einem besseren, menschenwürdigerem Leben trieb sie in dieses Land.
Mit der gebetsmühlenartigen Wiederholung ihrer Pauschallösung betreut Ruth Gerdes die Interessen des Staates und nicht die Interessen ihrer vermeintlichen "Schützlinge".Sie ist keine Hilfe für diese Menschen. Auf solch eine "Betreuung" kann jeder gut und gerne verzichten.
Jerzy Brilski ist Hausmeister im Lager und sollte sich eigentlich um kaputte Lampen kümmern. Er macht keinen Hehl daraus, wie gut und sinnvoll er das Abschiebelager findet, bezeichnet die BewohnerInnen gern als ?Wilde? und hat auch kein Problem damit, seinen Gummiknüppel, der wohl neben seinem Werkzeugkasten zu seiner Ausstattung gehört, einzusetzen. In der Vergangenheit schlug er mehrfach auf Kopf und Arm eines Flüchtlings ein. Dieser erstattete Anzeige. Sie wurde abgelehnt. Stattdessen hat er sich jetzt selber mit einer Anzeige wegen ?Beleidigung?zu kämpfen.
Uns geht es aber nicht darum, die Stelle von Frau Gerdes oder Herrn Brylski neu zu besetzen, sondern ein System zu ändern, das solche Grausamkeiten erst ermöglicht.
Homerun-Gerdi flüchtete in ihr Häuschen als ca. 40 AktivistInnen ausgestattet mit Trommeln und Megaphon auf ihrem Hof standen, um ihr einen Blumentopf zu überreichen. An der Tür ließ sie sich verleugnen und hörte die freundlichen Worte wohl nur durch die Fenster:
?Sehr geehrte Frau Gerdes!
Wir möchten Ihnen heute diesen Blumentopf mit Heimaterde übergeben, damit Sie auch nie vergessen, wo Sie zu Hause sind.
Glück gehabt, Frau Gerdes: Sie sind in Deutschland geboren. Sie haben die 1,26-prozentige Chance genutzt! Wir gratulieren Ihnen herzlich zum Geburtsrecht auf die deutsche Staatsbürgerschaft! Mit diesem hervorragenden Privileg sind Sie nicht nur in der Lage Ihren Wohnsitz innerhalb Deutschlands frei zu wählen, sondern dazu noch aktiv einen Arbeitsplatz zu suchen.
Sie haben sogar das Recht auf ein menschenwürdiges Leben!
Gratulation!
Wollen Sie nicht auch, dass möglichst viele an diesem einzigartigen Angebot teilhaben können?
Scheinbar nicht... Denn jeden Tag drängen Sie die Flüchtlinge dazu, ihre freiwillige Ausreise zu unterschreiben. Um damit auf sämtliche dieser "Angebote" zu verzichten.
Frau Gerdes, Sie sind Betreuerin im Abschiebelager. Man sollte meinen, sie wollten nur das Beste für Ihre Schützlinge. Ist es da fair, für ein System zu arbeiten das Menschen all diese Möglichkeiten verwehrt?
Sind Sie so naiv oder tun Sie nur so?
Nur durch Menschen wie Sie ist das Betreiben eines Abschiebelagers überhaupt möglich. Sie helfen bei einer großen Sache mit... bleibt nur die Frage: In wessen Interesse?
Frau Gerdes, wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag und viel Spaß mit Ihrem neuen Blumentopf voller Heimaterde.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Auf WIEDERSEHEN...?
Da Frau Gerdes in einer beschaulichen kleinen Siedlung wohnt wurden die Anwohner schnell aufmerksam und erhielten Flugblätter, um auch mal ein wenig Einsicht in das Berufsleben ihrer Nachbarin zu erhalten.
Herr Brylski wurde gegen 6.30 Uhr aus dem Bett geklingelt. Im Feinrip-Unterhemd hielt er sich hinter verschlossener Tür seines ländlich gelegenen Häuschens. Er scheint sich nur vorzutrauen, wenn er seinen Gummiknüppel dabei hat und die Leute alleine sind.
?Hallo Herr Jerzy Brylski!
Als Hausmeister habe Sie viele Aufgaben. Sie sorgen für Ordung und Sauberkeit und Sie können einfach alles reparieren. Sicher brauchen Sie dafür viel Talent- und natürlich Werkzeug. Nur eines verstehen wir nicht:
Wozu brauchen Sie eigentlich Ihren Gummiknüppel? Uns fällt irgendwie nur eine Verwendungsmöglichkeit ein, von der Sie ja auch schon Gebrauch gemacht haben...
Sie schlugen in der Vergangenheit mehrfach auf Kopf und Arm eines Flüchtlings ein. Sie scheinen ja mit vollem Einsatz dabei zu sein und haben sich Ihre Aufnahme in das Abschiebelager-All-Stars-Team daher redlich verdient. Deswegen, Herr Brylski, überreichen wir Ihnen diese Urkunde für Ihren unermüdlichen Einsatz in der Abschiebemaschinerie.
Auch Sie tragen Ihren Teil dazu bei und sorgen für zusätzlichen Druck auf die Flüchtlinge.
Wir fragen uns, für wen Sie das eigentlich tun... woher nehmen Sie den Antrieb für Ihre Begeisterung? Woher nehmen sie die Motivation, Menschen zu unterdrücken, die sowieso schon am Boden sind? Diese Menschen sind hier her gekommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Was sie bekommen, wissen Sie, Herr Brylski, selbst am Besten. Hoffentlich finden Sie einen netten Platz für ihre Urkunde.
Auf WIEDERSEHEN!"
