Bramscher Nachrichten, 3. März 2006
Polizei-Razzia am Morgen der No-Lager-Demo. Drogen gefunden – Dealer außer Haus
Unsanft wurden gestern die Bewohner der Häuser 24 und 25 auf dem Gelände der zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde (ZAAB) in Hesepe geweckt: Die Polizei Bramsche durchsuchte sämtliche Zimmer und Nebenräume nach Drogen. Die Razzia fand gerade an dem Tag statt, an dem sich Asylbewerber auch aus dem Lager auf den Weg nach Hannover machen wollten, um an einer Demonstration des „No-Lager-Netzwerkes“ für die Schließung des „Abschiebelagers“ Bramsche teilzunehmen.
Nach offiziellen Angaben ist der Zusammenhang nicht beabsichtigt gewesen und völlig zufällig. Die Einsatzleiterin betonte, erst nach dem Einsatz von der Protestveranstaltung des niedersächsischen Flüchtlingsrates gegen die größte deutsche Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber erfahren zu haben.
„Es gab konkrete Hinweise“, berichtete die Einsatzleiterin weiter. Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden hätten den Verdacht begründet, „dass namentlich bekannte Personen in der Einrichtung mit Drogen handeln“. Aufgrund richterlicher Beschlüsse seien sowohl Wohnräume von Tatverdächtigen als auch andere Gemeinschaftsräume gezielt durchsucht worden.
Zwar befanden sich gestern Morgen die polizeilich gesuchten Asylbewerber nicht in ihren Zimmern, so dass es keine Festnahmen gab. Dafür stellten die mit mehreren Fahrzeugen angerückten Beamten so genannte harte Drogen und anderes Beweismaterial sicher. Die mutmaßlichen Drogendealer bekämen demnächst eine „Einladung“ von der Dienststelle, um sich zu den Drogenfunden in ihren Wohnräumen zu äußern. Im übrigen dauern die polizeilichen Ermittlungen an.
An einen Zufall wollen die Veranstalter aber nicht glauben. „Die haben die Asylbewerber doch nur zusätzlich einzuschüchtern versucht“, sagte Busbegleiterin Dorette Führer vom No-Lager-Netzwerk, die auf dem ZAAB-Parkplatz durch betroffene Lagerbewohner über die Razzia informiert worden war.
Monate lang sei Polizei derart massiv in Hesepe nicht aufgeboten worden. Deshalb fiel nach Führers Überzeugung die Beteiligung mit gut 30 Personen auch geringer aus, als die Organisatoren zunächst erwartet hätten.
Für die Busbegleiterin stellte die Razzia einen weiteren Versuch der Einschüchterung dar, nachdem der Oldenburger ZAAB-Leiter Christian Lüttgau am Vortage erklärt hatte, sehr genau zu prüfen, ob unter dem Aspekt der „Residenzpflicht“ die Teilnahme im Einzelfall genehmigt wurde. Unerlaubte Abwesenheit werde Konsequenzen haben.
„Das Demonstrationsrecht gilt uneingeschränkt für Asylbewerber“, forderte Führer und hatte kein Verständnis für die Haltung des Behördenleiters. In Hannover verzichtete der Einsatzleiter nach Vermittlung der Organisatoren auf die Feststellung der Personalien.
Bramsche (pp)
